Wenn Berichte etwas umfassen ..

Die im Ansatz gute Idee, eine Pressemitteilung mit Fragen zu beginnen, auf die nicht nur Journalisten gerne Antworten hätten, hat die Pressestelle des Nationalparks Eifel verschenkt. Denn ihr Text vom 8. Februar 2012 setzt so ein:

„Wie viele Besucher hat der Nationalpark? Gibt er der Region wirtschaftliche Impulse? Wirken sich Naturerlebnisangebote im Park negativ auf die sensible Natur aus? ...“

Man darf zurückfragen: Hat ein Nationalpark Besucher – oder besuchen ihn nicht eher Menschen? Gibt ein Park wirtschaftliche Impulse? Oder profitiert nicht eher die Region von ihm? Und wirken sich Erlebnisangebote negativ aus (auswirken ist übrigens ein jämmerlich schwaches Verb)? Oder schädigen sie nicht eher die Natur? Der Einstieg hätte deutlich lebendiger wie folgt klingen können:

„Wie viele Menschen besuchen den Nationalpark? Und wie viel Geld lassen sie dabei in der Region? Schädigen die Erlebnisangebote im Park die empfindliche Natur?“

An die drei einleitenden Fragen schließen sich leider hässliche Sätze an, nämlich diese:

„... Diese und weitere Fragen sind Gegenstand der seit Nationalparkgründung fortwährenden Evaluierung des Nationalparks Eifel und seiner Angebote. Die Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur, das sogenannte Sozioökonomische Monitoring (SÖM), gibt Aufschluss über Chancen und Defizite des Nationalparks Eifel und ist Grundlage für seine optimale Entwicklung. Ein umfassender Bericht fasst nun erstmals alle Ergebnisse während der ersten sieben Nationalparkjahre durchgeführten Untersuchungen im Nationalpark zusammen.“

Hier nur die ärgsten Schnitzer: Es tauchen drei unsinnliche „Behörden-Verben“ auf, nämlich Gegenstand sein von, Aufschluss geben über und Grundlage sein von. Obendrein fasst hier ein umfassender Bericht etwas zusammen (was im Übrigen die Aufgabe von Berichten ist), fünf (!!!) weitere Male (nach bereits zweien zuvor) darf das Wort Nationalpark aufscheinen, und durch den  letzten Satz geistert das Schreckgespenst namens durchgeführte Untersuchung. Dass dort außerdem ein Artikel fehlt (nämlich der zwischen Ergebnisse während), kann passieren.

Der Zusatz hätte viel kürzer (321 statt 530 Anschläge) und verständlicher so lauten können:

„... Solche Fragen über das Zusammenspiel von Mensch und Natur stellen sich die Verantwortlichen für das Großschutzgebiet seit dessen Gründung vor sieben Jahren. Ein neuer Bericht beantwortet sie erstmals alle. Auch zeigt er Chancen und Schwachstellen des Parks und legt so die Basis dafür, diesen möglichst gut zu entwickeln.“

Der Begriff „Sozioökonomisches Monitoring (SÖM)“ interessiert kaum einen Leser; zumindest hätte er seinen sperrigen Auftritt weiter hinten im Text feiern können.