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Schimmelige Prognosen ...
Könnten Zukunftsprognosen zum neuen Jahr noch rasch einen guten Vorsatz fassen, dann sollten sie sich ihrer ersten Worthälfte entledigen. Sie alle betreffen nämlich die Zukunft - kein Mensch hat je von einer Vergangenheitsprognose gehört. Insofern gehören Zukunftsprognosen zur wunderlichen Art der weißen Schimmel.
Dass ein Hochschullehrer wie Gerd Bosbach von der Fachhochschule Remagen (Süddeutsche Zeitung vom 2.1.2012) mit Blick auf Aussagen zur demographischen Entwicklung Deutschlands dennoch fordert, "Bürger, Politiker und Journalisten sollten kritischer mit den Zukunftsprognosen umgehen", mag dem Zweifel geschuldet sein, das Fremdwort Prognose allein werde schon als zukunftsweisend empfunden. Dann freilich könnte man es durch Vorhersage ersetzen. Doch das wird sicher jetzt wieder als dämliche Kampfansage an Anglizismen verstanden. Wäre sie in diesem Fall auch, würde sie denn erhoben.
Bosbachs kleiner SZ-Aufsatz enthält noch einen weiteren fragwürdigen Satz - wobei der Kritiker hier ausnahmsweise Spitzfindigkeit einräumt. Der frühere Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes schreibt: "Wenn unsere Wirtschaft auch nur schwach weiter wächst, wenn gleichzeitig die Menschen in Deutschland weniger werden, was bleibt dann für jeden Einzelnen übrig?"
Die Frage lautet hier: Können Menschen weniger werden? Falls ja, müsste das auch für einen einzelnen von uns gelten können. Das aber würde nur Sinn ergeben, wenn der alte Spruch meiner Großmutter zuträfe, wonach sie persönlich mit den Jahren "immer weniger" wurde, also abnahm und geistig nachließ.


