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Kraftvolle Pferdeäpfel
Der Begriff Pferdestärke (PS) ist noch immer sehr geläufig, auch wenn die Leistung eines Motors heute stets auch in Kilowatt (kW) angegeben wird. Ein PS entspricht knapp dreiviertel kW. Doch künftig kann man Pferdestärke noch ganz anders verstehen: als jene Energie nämlich, die sich aus Pferdeäpfeln gewinnen lässt.
Nichts Geringeres haben Forscher der Universität Stuttgart-Hohenheim im Sinn. Und das Ganze soll auch noch dem Klimaschutz dienen. Denn der Dung von Deutschlands Rössern würden 400 Millionen Liter Heizöl einsparen, wenn man ihn komplett in Biogas-Anlagen verwertete. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt bis März 2014 mit über 300.000 Euro.
Vor 60 Jahren lebten in Deutschland noch etwa 2,3 Millionen Pferde. Durch den massiven Einsatz von Maschinen auf Äckern und Feldern sowie in Wäldern sank die Zahl der hilfreichen Vierbeiner bis 1970 auf nur noch rund 250.000, nahm danach aber wieder etwas zu, so dass heute – je nach Schätzung und Statistik – wieder bis zu 550.000 Pferde in Gestüten und landwirtschaftlichen Betrieben schnauben.
Wer ihren Mist in Strom umwandeln will, muss allerdings ein Problem lösen. Die Pferdeäpfel sind energetisch schwer verwertbar; Biogas-Anlagen können den Mist derzeit nur in geringen Mengen verwerten. Doch nun haben Forscher an der Universität Hohenheim einen Durchbruch auf dem Weg zum Strom aus Pferdedung erzielt: Man muss den Mist lediglich entsprechend vorbehandeln, damit er optimal vergären und so verbrennbares Methan freisetzen kann.
„Unser Ziel ist es, in Zukunft einige Biogasanlagen allein mit Pferdemist zu betreiben“, sagt der Agrarwissenschaftler Hans Oechsner, der die Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie (LAB) der Universität Hohenheim leitet. Bei optimaler Vergärung könne man damit in Deutschland pro Jahr etwa 400 Millionen Kubikmeter Methan erzeugen, was energetisch 400 Millionen Liter Heizöl entspricht, die sich so einsparen ließen. Dadurch würde sich die Kohlendioxid-Emission Deutschlands immerhin um eine Million Tonnen verringern. Doch Pferdemist finde bislang „kaum Verwendung“, sagt Oechsner. Da er sich nur eingeschränkt als Dünger eigne, müsse er oft kostenpflichtig entsorgt werden. Nur ein geringer Teil liefert indirekt bereits Strom.
Der Haken am Pferdemist besteht aus Halmen. Die Pferdeäpfel bestehen nämlich großenteils aus leichtem Stroh. Gibt man den Dung zur übrigen Biomasse, die in Biogas-Anlagen verwertet wird, schwimmt er obenauf und vergärt nicht richtig. Doch die Hohenheimer Agrartechniker wissen Abhilfe: Sie zerkleinern den Mist mit einer Maschine, einem so genannten Querstromzerspaner, wie er üblicherweise in Anlagen zum Verwerten von Abfällen eingesetzt wird. „Das ist im Prinzip ein großer Küchenmixer“, sagt LAB-Doktorand Matthias Mönch-Tegeder. „Nach dem Mixen haben wir sozusagen mundgerechte Stückchen für die Mikroorganismen in der Biogasanlage.“ Durch das Zerspanen vergrößert sich die Oberfläche des Pferdemistes, so dass er sich gut mit dem übrigen Gärsubstrat verbindet.
Positive Nebeneffekte der Prozedur: Erstens eignet sich der vergorene Mist hervorragend als landwirtschaftlicher Dünger. Und zweitens: Würden die 4,5 Millionen Tonnen Pferdemist komplett in Biogas-Anlagen vergoren, „bräuchten wir 80.000 Hektar Ackerland weniger für den Anbau von Energiepflanzen“, rechnet Hans Oechsner vor. Mit diesen verdienen die betroffenen Bauern allerdings gutes Geld. Was sie statt dessen anbauen, wäre eine offene Frage. Denn brachliegen lassen werden die Landwirte ihre Nutzfläche wohl kaum – auch wenn Artenschützer dies begrüßen dürften.
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