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Gesunde Äpfel senken den Blutdruck
Schnödes Obst, das Ärzte überflüssig macht? Das wäre nun wirklich schlimm für Mediziner, wenngleich heilsam für den Etat der Krankenkassen. Wahr aber ist, „dass nicht der Apfel allein den Doktor ersetzt, sondern dass eine ausgewogene Ernährungsweise mit viel Gemüse und Obst die Gesundheit fördert und vor Krankheiten schützt, die von der Ernährungsweise mit bedingt werden“, sagt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Dazu gehören Zivilisationsleiden wie Krebs und Herz-Kreislauf-Schäden.
Äpfel und anderes Obst unterstützen zudem die Abwehrkräfte des Körpers gegen schädliche Mikroben und helfen, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und Entzündungen zu bekämpfen.
Verantwortlich dafür sind neben Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen auch so genannte sekundäre Pflanzenstoffe wie die Flavonoide. Expertenschätzungen zufolge enthalten pflanzliche Lebensmittel über 30.000 dieser nur zum Teil erforschten Substanzen, darunter Farbstoffe, Wachstumsregulatoren und Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten. Nur dieser Mix macht das saftige Grünzeug gesund und bekömmlich.
So können Äpfel den Spiegel des als gesundheitlich ungünstig geltenden LDL-Cholesterins im Blut verringern, wie eine einjährige US-amerikanische Studie kürzlich ergeben hat. Ernährungswissenschaftler der Florida State University konnten in Äpfeln einen starken Cholesterinblocker ausfindig machen, der den LDL-Wert um fast ein Viertel senkte.
Während der Studie bekamen 160 Frauen im Alter von 45 bis 65 Jahren jeden Tag 75 Gramm Trockenfrüchte, entweder Äpfel oder Pflaumen; mehrfach wurde dann ihr Blut untersucht. Bei den Äpfel essenden Frauen lag bereits nach einem halben Jahr der LDL-Wert um 23 Prozent niedriger als zuvor. Auf Dauer würde bei ihnen nicht nur das Risiko sinken, an Krankheiten wie Arterienverkalkung oder Alzheimer zu erkranken; die Frauen verloren obendrein durchschnittlich 1,5 Kilogramm Körpergewicht – womöglich deshalb, weil die in Äpfeln enthaltenen Pektine, pflanzliche Mehrfachzucker, gut sättigen.
Auch Forscher der Universität von Westaustralien (UWA) und des australischen
Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung sind in einer dreijährigen Studie dem Sprichwort auf den Grund gegangen, wonach ein Apfel täglich den Arzt fernhalte. Ziel war es, neue Sorten zu entwickeln, die der Gesundheit besonders förderlich sind. Die Ergebnisse der Studie wurden im Oktober 2011 in der Wissenschaftszeitschrift „Free Radical Biology and Medicine Journal“ veröffentlicht.
Jonathan Hodgson, Professor an der UWA-Fakultät für Medizin und Pharmakologie, legte besonderes Augenmerk auf den Gehalt der Äpfel an Flavonoiden, die sich vorwiegend in der Fruchtschale konzentrieren. Sie stehen im Ruf, über antioxidative Eigenschaften zu verfügen und so genannte freie Radikale unschädlich machen zu können. Diese kurzlebigen, aber reaktionsfreudigen Sauerstoff-Zwischenprodukte im Stoffwechsel sollen diverse Krankheiten begünstigen, darunter Krebs, Parkinson und Gefäßleiden, indem sie die Membran von Zellen oder sogar die Erbsubstanz angreifen, um an jenes Elektron zu gelangen, das ihnen fehlt.
Radikalfänger wie Vitamin C oder eben Flavonoide können dies verhindern. So sehen es zumindest die Befürworter der Theorie vom oxidativen Stress, dem Körperzellen unter dem Ansturm großer Mengen an freien Radikalen ausgesetzt sein sollen. In jüngerer Zeit sind allerdings Hinweise aufgetaucht, wonach die freien Radikale auch gesundheitsfördernde Eigenschaften haben könnten.
Jedenfalls testeten die australischen Forscher einen Tag lang die akute Wirkung von Äpfeln mit hohem Flavonoid-Gehalt an 30 gesunden Männern und Frauen. Sie fanden heraus, dass der Verzehr von Äpfeln mit einem hohen Flavonoid-Gehalt die Blutgefäße entspannt, vermutlich weil der sekundäre Pflanzenstoff den Gehalt des Blutes an Stickstoffmonoxid (NO) erhöht. Denn schon lange ist bekannt, dass das geruchlose, auch in der Medizin eingesetzte Gas die Blutgefäße dehnt – gut für Menschen, die an chronisch hohem Blutdruck leiden und deren Herzgefäße verengt sind. Eine ähnliche Wirkung hatte in den Versuchen nitratreicher Spinat.
Von den für die Studie untersuchten Apfelsorten wies die Sorte Pink Lady, eine Kreuzung von Lady Williams und Golden Delicious, den höchsten Gehalt an Flavonoiden auf. „Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Äpfel die Gesundheit eines Menschen nachweislich verbessern können“, urteilt der Forschungsbeauftragte des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, Michael Considine. In den nächsten Jahren sollen die Erkenntnisse in neue Apfelsorten münden, die in der Schale, im Apfelmark oder in der gesamten Frucht besonders viele Flavonoide aufweisen. Dann müssen die Menschen sie nur noch essen – und am besten auch sonst möglichst gesund leben.
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