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Anden wachsen Regen entgegen
Die östliche und die westliche Seite der Anden haben sich in den vergangenen zehn Millionen Jahren sehr unterschiedlich gehoben. Da auf der Anden-Ostseite hundert mal so viel Regen und Schnee fallen wie auf der sehr trockenen Westseite, tragen dort Bäche und Flüsse die Anden noch immer stark ab. Wie der Geologe Fritz Schlunegger von der Universität Bern herausgefunden hat, ist dies auf der fast niederschlagsfreien Westseite kaum der Fall.
Durch diesen Unterschied ist das südamerikanische Gebirge im Westen so dick geworden, dass Erdkräfte aus der Tiefe es kaum noch weiter heben können – ganz anders als im Osten: Dort wachsen die Anden so stark in die Höhe, so dass sich die Flüsse tief ins Gestein einschneiden müssen. Schluneggers und ein neuseeländischer Kollege haben ihre Befunde Mitte Dezember in der in der Zeitschrift „Nature Communications“ publiziert.
Das Niederschlagsmuster in den Zentral-Anden ist stark asymmetrisch. Während in der bolivianischen Jungas-Region auf der Ostflanke zum Beispiel jährlich bis zu 3000 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen, liegt auf der Anden-Westseite mit der Atacama-Wüste eine der trockensten Erdregionen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Stärke der Gesteinserosion, also der Abtragung. Auf der Ostseite beträgt die Erosionsrate über einen Millimeter pro Jahr, auf der Westseite jedoch nicht einmal ein Hundertstel davon, nämlich weniger als 0,01 Millimeter.
Die Folgen für beide Anden-Seiten haben die beiden Forscher anhand der Geometrie von Flusslängsprofilen sowie von gebirgsmechanische Modellierungen untersucht. Das Ergebnis: Die Flüsse auf der Ostseite des Gebirges fallen steil ab und führen sehr viel Wasser. Daraus folgern die beiden Forscher, dass die Anden sich im Osten stark heben müssen. Hingegen zeigen die Flusslängsprofile auf der Westseite, dass sich dort tektonisch seit sieben bis zehn Millionen Jahren nichts mehr Nennenswertes ereignet hat – die Hebung der Anden ist hier quasi abgeschlossen.
Seither entwickelt sich die Gebirgskette vor allem im Osten weiter. „Das Gebirge auf der Westseite ist aufgrund der abnehmenden Erosion zu dick geworden, um weiter durch die
Tektonik bewegt zu werden“, erklärt Fritz Schlunegger den Sachverhalt. Auf der Ostseite hingegen verhindere die fortdauernd hohe Abtragung, das sich der Gebirgskörper stärker verdickt. Durch die vergleichsweise geringe Auflast der Anden auf dieser Gebirgsseite kann diese leichter durch Kräfte aus dem Erdinneren emporgehoben werden. Daran werde sich in Zukunft nichts Entscheidendes ändern, urteil Schlunegger und zieht das Fazit: „Die Zentral-Anden werden wahrscheinlich auch in den nächsten Millionen Jahren dem Niederschlag
entgegenwachsen.“ Der Zahn der Zeit kann dort also weiter kräftig nagen.
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Quellenangabe:
Kevin Norton, Fritz Schlunegger: Migrating deformation in the Central Andes from enhanced orographic rainfall, Nature Communications, 13. Dezember 2011. doi:10.1038/ncomms1590


